ISG-Schmerzen – warum sich das Gelenk gar nicht manipulieren lässtund weshalb Faszien Therapie der deutlich sinnvollere Ansatz ist
Kaum ein Körperbereich wird so konsequent missverstanden wie das Iliosakralgelenk.
Wenn es dort schmerzt, heißt es schnell: „Das ISG ist blockiert.“
Und dann wird manipuliert, gedrückt, gedreht – oft mit kurzfristigem Erfolg.
Das Problem:
👉 Diese Erklärung ist biomechanisch nicht haltbar.
Und das ist keine Meinung, sondern wissenschaftlich belegt.
Die unbequeme Wahrheit: Das ISG lässt sich gar nicht „richten“
Bereits in den 1990er-Jahren wurde untersucht, ob sich die Stellung des Iliosakralgelenks durch manuelle Manipulation überhaupt verändern lässt.
Das Ergebnis einer hochpräzisen röntgenbasierten 3D-Messmethode (Roentgen-Stereophotogrammetrie):
➡️ Nein. Tut es nicht.
In der Studie wurde vor und nach einer gezielten ISG-Manipulation die exakte Position von Kreuzbein und Darmbein gemessen.
Es zeigte sich keine messbare Veränderung der Gelenkstellung.
Mit anderen Worten:
• Das ISG war vorher da
• es war nachher exakt dort
• und es hatte sich nicht verschoben
Trotzdem fühlten sich viele Patient:innen kurzfristig besser. Hier kannst Du die Studie nachlesen.
Das wirft eine entscheidende Frage auf:
👉 Was wurde dann eigentlich behandelt?
Wenn Tests „besser“ werden, obwohl sich nichts bewegt hat
Besonders spannend – und entlarvend – ist ein weiteres Ergebnis der Studie:
Die zuvor positiven klinischen ISG-Tests (Beckenkammhöhe, Palpation, Bewegungstests) waren nach der Manipulation plötzlich „unauffällig“.
👉 Obwohl sich das Gelenk nachweislich nicht bewegt hatte.
Das bedeutet:
• Die Tests messen keine Gelenkposition
• sie reagieren auf neuronale und fasziale Spannungsänderungen
• nicht auf mechanische Verschiebungen
Und genau hier kommen wir zur eigentlichen Ursache von ISG-Schmerzen.
Das ISG ist stabil – das fasziale System oft nicht
Das Iliosakralgelenk ist eines der stabilsten Gelenke des menschlichen Körpers.
Seine Bewegung liegt im minimalen Millimeterbereich – und genau so ist es konstruiert.
Was sich aber sehr wohl verändert, ist das fasziale Spannungsnetz, das:
• Rücken
• Becken
• Hüften
• Beine
• Bauchraum
miteinander verbindet.
Wenn dieses System:
• überlastet
• verklebt
• einseitig gespannt
• schlecht organisiert
ist, entstehen Dauerzugkräfte, die sich bevorzugt im ISG-Bereich entladen.
👉 Das Gelenk schmerzt – obwohl es strukturell völlig unauffällig ist.
Warum muskuläre Ungleichgewichte meist faszial gesteuert sind
Häufig wird versucht, ISG-Probleme muskulär zu lösen:
• Gesäß stärken
• Hüftbeuger dehnen
• Core trainieren
Das kann helfen – muss es aber nicht.
Denn Muskeln handeln nicht autonom.
Sie folgen dem faszialen Spannungsmuster, in das sie eingebettet sind.
Solange dieses Muster dysfunktional ist:
• bleibt ein Muskel „hart“, obwohl er gedehnt wird
• bleibt ein anderer „schwach“, obwohl er trainiert wird
➡️ Das Ungleichgewicht ist nicht muskulär, sondern faszial organisiert.
Faszientherapie statt Gelenkmanipulation
Die oben genannte Studie zeigt sehr deutlich:
👉 Manipulation verändert keine Gelenkstellung.
Was sie aber tut:
• sie verändert kurzfristig neuronale Spannung
• sie beeinflusst fasziale Rezeptoren
• sie moduliert das Nervensystem
Eine Faszien Therapie setzt genau dort an –
nur gezielter, nachhaltiger und ohne mechanische Gewalt.
In der Senmotic Faszien Therapie geht es nicht darum, etwas „zurückzuschieben“,
sondern darum:
• Spannungen neu zu organisieren
• Zuglinien zu entlasten
• Bewegungsfreiheit wieder zu ermöglichen
Das ISG profitiert – ohne direkt behandelt zu werden.
Faszien Mobilisation: lokal sanft, systemisch wirksam
Eine gut ausgeführte Faszien Mobilisation:
• reduziert chronische Grundspannung
• verbessert das Gleiten zwischen Strukturen
• beruhigt das Nervensystem
Und genau deshalb verschwinden oft ISG-Schmerzen,
obwohl nie am Gelenk selbst gearbeitet wurde.
Nicht spektakulär.
Aber biomechanisch logisch.
Natürliche Bewegung neu lernen
Ohne natürliches Bewegen kehren alte Muster zurück.
Dabei geht es nicht um Kraftrekorde, sondern um:
• elastische, federnde Bewegungen
• Variabilität statt Wiederholung
• Koordination statt Spannung
Ein gut trainiertes fasziales System:
• verteilt Kräfte besser
• schützt das ISG
• macht „Blockaden“ überflüssig
Daher gebe ich Ihnen am Ende jeder Sitzung eine Hausaufgabe, die die Ergebnisse der Behandlung nachhaltig macht. Dabei geht es natürlich nie um Dehnen oder Kräftigen - sondern darum sich wieder natürlich zu bewegen. So haben Sie es als Kind auch schon erfolgreich getan. Dieses Vorgehen praktiziere ich seit 20 Jahren und es hat sich als wesentlich effektiver erwiesen als Fitnessübungen.
Fazit: Die Wissenschaft ist eindeutig – das Gelenk ist nicht das Problem
Die Studie zeigt klar:
❌ Das ISG lässt sich nicht manipulieren
❌ Positionsdiagnosen sind nicht valide
✅ Veränderungen finden im faszial-neuronalen System statt
Wer ISG-Schmerzen langfristig lösen will, sollte deshalb:
• weniger am Gelenk denken
• mehr im System arbeiten
Faszien Therapie, Faszien Massage und Faszien Training sind keine Alternative zur klassischen Sicht –
sie sind die logische Konsequenz aus ihr.

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